Beginn 21 Uhr
Anschließend After-Show-PARTY!
Am 15. September 1951 äußerte sich Papst Pius XII. in der Enzyklika Ingruentium malorum zum Beten des Rosenkranzes innerhalb der Familie. Dieses Ereignisses gedachte Theresa Gelati jährlich, wenn die Mitte des Septembers nahte. Regelmäßig vergaß sie dabei, dass sie um 23 Uhr jenes Tages ihren ersten und einzigen Sohn, Monte, schreiend unter dem Küchentisch liegend mit Hilfe ihres Mannes Fredo auf die Welt gebracht hatte.
Ende November trat der Po über die Ufer und es kam es zu einer verheerenden Überschwemmungskatastrophe, die das kleine Häuschen der Familie Gelati mit sich riss. Alcide De Gasperi, der Ministerpräsident Italiens, reagierte umgehend: am 15. Mai 1955 konnte die junge Familie, samt ihres inzwischen fast vierjährigen Sohns, eine Wohnung in einem Neubau in Osoppo, am Fuße des Monte San Simeone, beziehen.
Hier sollte der junge Monte seine unbeschwertesten und schönsten Jahre verbringen, vergleichbar nur mit dem euphorischen Gefühl der Leichtigkeit, das ihm das Bad in der Menge leichtbekleideter Damen während seiner beschwingten Live-Konzerte bereitet.
Hier, in diesem unscheinbaren Neubau, geschah die educazione sentimentale und musicale Monte Gelatis, immer zärtlich beobachtet und überwacht von den stolzen Augen seiner Eltern.
Am 18. und 25. September 1971, kurz nach seinem 20. Geburtstag, trat Monte Gelati durch zwei aufsehenerregende Konzerte erstmals ins kollektive Bewusstsein: An diesen Tagen wurde seine streng minimalistische Vertonung des Stenzenkommentars von Thomas von Aquin im Petersdom in zwei Teilen uraufgeführt. Am Dirigentenpult stand der junge Komponist selbst, der mit sicherer Hand einfühlsam die Sixtinische Kapelle durch das sperrige Werk führte.
Das große Erdbeben von Friaul beendete die musikalische Karriere Monte Gelatis: Am 6. Mai 1976 um 19:59 Uhr brach der Neubau der Familie Gelati in sich zusammen. Das Epizentrum lag direkt unter ihrem Haus. Das um 20 Uhr beginnende Hauptabendprogramm von RAI blieb ungesehen. Dem Erdbeben fielen 989 Personen zum Opfer, darunter Fredo Gelati, der liebende Vater des großen Musikers Monte. Seine Mutter Theresa brach während der Erdstöße in einer religiösen Ekstase zusammen und wachte in Kalkutta, Indien, wieder auf. Dies hielt sie jedoch nicht auf, weiterhin mit bloßen Händen in den Schutthalden nach ihrem einzigen Sohn zu suchen. Am 21. Juni 1978 wurde ihre Geduld belohnt: unter einer Betonplatte begraben fand sie Monte Gelati, der sich durch Tauwasser, Moos und die Kraft der Musik am Leben erhalten hatte.
Leider konnte seiner Mutter nicht lange bei ihm bleiben, ihr neuer Arbeitsplatz in Kalkutta brauchte ihre ganze Aufmerksamkeit und auch Liebe. Von 1978 bis 1982 verbrachte Monte Gelati als einziger Insasse in einem Erdbebenopfer-Flüchtlingszelt des Roten Kreuzes, ohne Unterlass sehnsüchtig auf die Eingangstüre starrend, ob nicht doch seine bis zur Verzückung geliebte Mutter eintreten würde. Es war die österreichische Krankenschwester Maria, die am 25. Juni 1982 die Zeltplanen auseinanderschlug und einen goldenen Sonnenstrahl in das düstere Innere des Lagers eindringen ließ. Als kurz daraufhin der russische Radiologe Rodion Romanovich Raskolnikov der hübschen Maria folgte, war Monte Gelatis Schicksal besiegelt: Es erklang wieder Musik in ihm. Doch nun nicht mehr minimalistische Vierteltonreihen wie vor dem Erdbeben, sondern derbe, primitive, packende, verführerische, das Ohr nie wieder verlassende Schlagermusik.
In kürzester Zeit schrieb Monte Gelati seine bis heute bekanntesten Smash-Hits:
Busserl da; Veronika; Mutter Theresa; Mustache monumentale; Ladi Di; Adventlied (w1109_v2)
In Italien und Frankreich avancierte er instantamente zum gefeierten Superstar. Seine neue Wahlheimat Österreich hielt er sich bewusst frei, um dort unerkannt durch die Straßen spazieren zu können, um unerkannt beim Wirt essen und Karten spielen zu können, um unerkannt seine große Liebe Veronika im Flüchtlingsheim Traiskirchen besuchen zu können, um unerkannt auf der Alm sein anrührendes österreichisches Volkslied „Holadaro“ anstimmen zu können, das im Alpenraum schon zum allgemeinen Liedgut gezählt wird. Milde lächelnd belässt Monte Gelati die Ureinwohner dieser Region in ihrem Glauben, niemand brauchte zu wissen, dass er der eigentliche Schöpfer dieser unvergesslichen Melodie war.
2009 war es aber soweit: Monte Gelati ließ sich vom Komitee der Kulturhauptstadt Europas weichklopfen und trat zum Abschluss des Kulturhauptstadtjahres in einem triumphalen Konzert im Kunstpalast zu Linz auf. Der Rest ist Legende.
Das hier ist Monte Gelati: nehmet und höret alle davon!